Nach dem Ja – Fragen an die Zukunft

Der Sonntag, der 4. März 2018, wird in die Geschichtsbücher eingehen. Im historischen Rückblick wird dieser Sonntagmorgen in Erinnerung bleiben als der Moment, in dem die Regierung der 18. Wahlperiode das Licht der Welt erblickte. Das ist natürlich formal nicht richtig, aber dennoch: Niemand wird sich an die Antrittsrede der vierten Kanzlerin Merkel im Deutschen Bundestag erinnern, sondern alle an die bangen Augenblicke im Willy-Brandt-Haus, als Olaf Scholz und das Ergebnis des Votums überraschend lange auf sich warten ließen.

Ob es ein historischer Moment war, wird sich in den nächsten Monaten entscheiden. Es wird sich daran messen lassen, ob er auch der Urknall der Erneuerung der Sozialdemokratie in Deutschland war. Wer über den Tellerrand blickt, findet die Sozialdemokratie überall in Bedrängnis, gefangen zwischen ihren eigenen Erfolgen auf der einen Seite und dem Anschwellen des Populismus auf der anderen, der genau diese Erfolge in Frage stellt. Die Lage ist bedrohlich für die SPD. In einigen Nachbarländern sind die Genossen bereits völlig von der politischen Bühne verschwunden. Für die deutsche Sozialdemokratie könnte dieser erneute Eintritt in die Regierung die letzte Chance für das Weiterbestehen als Volkspartei sein.

Diese Chance muss die SPD nun nutzen. Das Versprechen der Erneuerung muss eingelöst werden. Dabei geht es um mehr als das Austauschen von einigen Ministern. Es geht um neue Antworten auf die Fragen des 21. Jahrhunderts. Es geht um eine neue Hoffnung für Millionen verunsicherte Bürger. Es geht um eine neue Mission für die Sozialdemokratie. Die SPD hat nun die Chance sich neu zu finden. Wahrscheinlich ist es ihre letzte. Wenn sie es schafft, diese zu nutzen, wird sie zur Leitfigur für die Sozialdemokratie weltweit. Dann war dieser Sonntag im März 2018 wahrlich ein historischer Moment.